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10. September IT-Brennpunktveranstaltung des IHK-Forums Rhein-Main

Karl-Heinz Streibich, Vorstandsvorsitzender der Darmstädter „Software AG“, referierte über die hohe Bedeutung der Informations- und Telekommunikationsbranche (ITK) für FrankfurtRheinMain.
FrankfurtRheinMain – Europas künftige ITK-Hauptstadt?
IHK-Forum Rhein-Main beleuchtete wichtige Querschnittsbranche
Die Wirtschaft in FrankfurtRheinMain ist exzellent aufgestellt. Das ist so bei den Banken oder beim Consulting und anderen hochwertigen Dienstleistungen wie Medien oder Werbung. Auch in so unterschiedliche Branchen wie Maschinenbau/Automationswirtschaft/Automobilzulieferer oder Chemie/Pharma/Medizin ist die gewerbliche Vielfalt am Standort beeindruckend. Weltweit gibt es nur wenige so gut und so breit aufgestellte Metropolregionen. Die Aussichten sind ebenfalls gut; in der Disziplin Innovations- und Wettbewerbsstärke spielt unsere Metropolregion in Europas Top-Liga.
Wie sehr diese einzelnen Erfolgsgeschichten aber von den hiesigen Unternehmen der Informations- und Telekommunikationsbranche (ITK) abhängen, ist vielen Unternehmern, Politikern und weiteren Entscheidungsträgern nicht immer bewusst. Sie verbinden die Querschnittsbranche ITK zu sehr mit den bekannten Namen aus dem amerikanischen Silicon Valley oder mit den indischen Programmierern. Doch diese Sichtweise gehört dringend auf den Prüfstand – eine Aufgabe, die das IHK-Forum Rhein-Main am 10. September 2008 in der Darmstädter Gesellschaft für Schwerionenforschung mbH (GSI) übernahm. Gut 150 Top-Entscheider entdeckten das verborgene Potenzial der Branche.
Maßstab Europa
Karl-Heinz Streibich, Vorstandsvorsitzender der Darmstädter „Software AG“ skizzierte auf der Brennpunkt-Veranstaltung des IHK-Forums den globalen Markt und die anstehenden Aufgaben: „Der Europäische IKT-Markt ist der Größte der Welt“, begann Streibich. Bei Umsätzen von 680 Milliarden €, Stand 2006, weise Europa ein jährliches Handelsbilanzdefizit von 77 Milliarden € aus. Das es sich bei ITK-Anwendungen etwa in Auto, Küche oder Fabrik um die Wachstumstreiber schlechthin handle, gut die Hälfte der Produktivitätszunahme werde in Europa durch Software, Internet und Co erzielt, müsse die ITK-Branche als „strategische Wachstumsindustrie“ gelten, gab der Ingenieur zu bedenken.
Der Vorstandsvorsitzende der Software AG verglich in seinem Impulsreferat die europäische mit der amerikanischen IT-Industrie. Wir sind „zu stark segmentiert und erheblich zu klein“, lautete sein allseits überzeugendes Credo. Wenn ITK-Firmen in Europa zu selten eine „kritische Größe“ erzielten, dann liege das an der Marktenge. Vor allem zu viele unterschiedliche Rechtssysteme in Europa, auch die Sprachenvielfalt, erschwerten den Firmen das Wachstum. Ohne einen homogenen Heimatmarkt könnten Europas ITK-Unternehmen aber keine Größenkostenersparnisse erzielen und mit den US-Firmen gleichziehen; vom Heimatmarkt gestärkte US-Unternehmen könnten sich leichter international aufstellen und schneller wachsen. Vor diesem Hintergrund verbiete sich eine rein deutsche Betrachtung.
Streibich forderte in diesem Zusammenhang ein „radikales Umdenken“. Der Wirtschaft fehle ein einheitliches europäisches Rechtssystem. Anders werde sich die herausragende Stellung Europas in der Weltwirtschaft weder ausbauen noch verteidigen lassen.
Nicht nur die USA, auch Wettbewerber wie Indien dürften nicht unterschätzt werden, warnte der Redner weiter. Auf dem Subkontinent arbeiteten seiner Erfahrung nach „internationale Manager erster Güte“. Gegen diese aufstrebenden Märkte könne sich Europas Wirtschaft nur mit Hilfe von Netzwerken behaupten, riet Streibich. Dies gelte ganz besonders im ITK-Bereich, wie nicht zuletzt der bemerkenswerte Erfolg des kalifornischen Silicon Valleys beweise. Der jüngst ausgerufene Spitzencluster-Wettbewerb der Bundesregierung sei deswegen genau die richtige Antwort auf die gegenwärtigen Herausforderungen, merkte Streibich weiter an. Es gelte, die Kräfte in Netzwerken zu bündeln. Dann werde etwa der Markt rund um die „serviceorientierten Architekturen“ im ITK-Bereich, der gerade entstehe, rasant an Fahrt gewinnen und viele gut bezahlte Arbeitsplätze schaffen.
Werde die Region jetzt aktiv und nutze ihr Potenzial, könne sie auch mit Hilfe des Spitzencluster-Wettbewerbs einen der obersten Plätze in der ersten Weltwirtschaftsliga behaupten. FrankfurtRheinMain könne schon bald Europas wichtigstes ITK-Zentrum sein und in der Branche Weltrang erhalten, gab sich Streibich optimistisch.
Weit über 100.000 Arbeitsplätze in FrankfurtRheinMain
Zuvor hatte Dr. Walter Ebbinghaus, Präsident der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern und des IHK-Forums Rhein-Main, die Lage der ITK-Branche in FrankfurtRheinMain analysiert: Forschung und Wirtschaft könnten ohne die modernen ITK-Angebote nicht auf hohem Niveau arbeiten. Mittlerweile seien die meisten Unternehmen darauf angewiesen, möglichst moderne IT-Leistungen zu nutzen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu halten. Der Bereich ITK als Querschnittsbranche biete schon heute mindestens 100.000 gut bezahlte Arbeitsplätze in FrankfurtRheinMain, wahrscheinlich sogar noch viel mehr. Die amtliche Statistik weise leider keine exakten Zahlen aus, bedauerte Ebbbinghaus.
Es gebe viele gute Gründe, warum fast zwei Millionen gut bezahlte Arbeitsplätze in FrankfurtRheinMain existierten. Ein wichtiger Grund werde bei der üblichen Aufzählung der Standortvorteile oft unterschlagen. Neben Bürgerlichkeit, interkultureller Toleranz, hohem Ausbildungsstand der hier lebenden Menschen sowie den davon kündenden Hochschulen und anderen Forschungseinrichtungen sei das hier vorhandene, außergewöhnliche ITK-Know-how ein wesentlicher Pluspunkt.
